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Das moderne islamische Finanzwesen entstand in den 1970er Jahren mit den ersten islamischen Banken, geht aber geschichtlich bis weit vor das 20. Jahrhundert zurück. Heute zählt Islamic Finance zu einem wichtigen Bestandteil des globalen Finanzsystems.

Neben eigenständigen islamischen Finanzinstituten agieren auch konventionelle Finanzinstitute, wie z. B. die Deutsche Bank im Mittleren Osten, mit islamkonformen Bankfenstern. Ein islamisches Fenster (Islamic Window) ist eine separate Abteilung innerhalb einer herkömmlichen Bank, die islamische Finanzprodukte entwickelt. Diese Abteilung steht unter der Leitung eines unabhängigen Beirats, der sich aus angesehenen muslimischen Gelehrten zusammensetzt.

In der westlichen Welt rückte Islamic Finance ins Rampenlicht, als die Subprime-Krise im Jahr 2007 die Weltwirtschaft erschütterte. Seitdem übernahm Islamic Finance auch die Rolle als alternatives Finanzinstrument, das bei der Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte mitwirken kann.

Islamic Finance verzeichnete in den letzten Jahrzehnten ein kräftiges Wachstum: Der Wert islamischer Finanzanlagen stieg weltweit von 150 Milliarden US-Dollar in den 1990er Jahren auf heutige geschätzte 2,2 Billionen US-Dollar. Laut Experten wächst der Markt auch in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich um weitere 10 % bis 12 % — trotz der derzeit Pandemie-bedingten gedämpften Wirtschaftslage.

Doch was ist Islamic Finance eigentlich und wie unterscheiden sich die Produkte von konventionellen Finanzierungsinstrumenten?

Grundsätze und Eigenschaften

Islamic Finance basiert auf den Fundamenten von sozialer Gerechtigkeit und Inklusion und ermöglicht es, Geld zu verwalten und Geschäfte zu realisieren, die den ethischen Prinzipien des Islam entsprechen.

Islamic Finance umfasst Aktivitäten wie Sparen, Investieren und Kreditaufnahme, um z. B. eine Immobilie zu kaufen. Die Konzepte basieren auf der Überzeugung, dass Geld als Maßstab wertlos sein sollte, und Islamic Finance führt den Austausch von Produkten und Dienstleistungen, die Wert besitzen, aus. Jede Transaktion in der islamischen Finanzwirtschaft steht mit einem realen, wirtschaftlichen Grundgeschäft in Zusammenhang. Geschäftspartner teilen nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste und die verbundenen Risiken.

Mit dieser Denkweise verbunden ist auch das Prinzip, dass keine Zinsen auf Geld gezahlt oder verdient werden dürfen. Im Islam werden Zinseinkünfte aus ethischer, ökonomischer und sozialer Sicht als schädlich für die Gesellschaft betrachtet.

Diese Grundeinstellung zu Zinsen ist aber nicht nur für den Islam charakteristisch. Die ablehnende Haltung wurde auch in der Thora und in der Bibel thematisiert. Das im Jahre 850 eingeführte Zinsverbot seitens der christlichen Kirche wurde erst im Jahr 1830 aufgehoben. In der jüdischen Thora wird ein Zinsverbot ebenfalls mehrmals angesprochen.

Wirtschaftliche Beziehungen, die Schaden anrichten, sind ebenso verpönt. Islamische Finanzdienstleister investieren somit nicht in die Alkohol-, Glücksspiel-, Rüstungs-, Sex- und Tabakindustrie und lehnen spekulative Geschäfte ab.

Islamic Finance in Deutschland und Europa

Generell gesehen, befindet sich Islamic Finance in Deutschland und Europa noch in einem jungen Stadium.

Deutschland erschloss den islamischen Kapitalmarkt, als das Bundesland Sachsen-Anhalt im Jahr 2004 die erste islamische Anleihe (Sukuk) des Landes auflegte. Im Jahr 2015 erteilte die deutsche Bankenaufsicht erstmalig eine Vollbanklizenz an eine islamisch orientierte Bank und reagierte somit auf die zunehmende Bedeutung von Islamic Finance.

In Großbritannien wurde die erste islamische Bank, Al Baraka International, im Jahr 1982 gegründet und Islamic Finance hat sich seitdem progressiv im Markt weiterentwickelt. Das Vereinigte Königreich gab 2021 seinen zweiten Staats-Sukuk aus, welcher mehr als doppelt so groß wie die erste Emission im Jahr 2014 war. Die islamische Anleihe im Wert von 500 Millionen Pfund wurde an ein breites Spektrum institutioneller Investoren in Großbritannien, im Nahen Osten und in Asien verkauft.

Die verstärkte Betonung alternativer Finanzlösungen und die große Nachfrage nach Liquidität aus Schwellenländern bilden jedoch eine solide Grundlage für nachhaltiges Wachstum.

Gestärkt wird die Entwicklung auch durch Deutschlands stetig wachsende muslimische Bevölkerung. Das Ergebnis einer aktuellen Studie zeigt, dass derzeit zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Muslime in Deutschland leben. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt zwischen 6,4 % und 6,7 % gegenüber 5,4 % und 5,7 % laut dem Mikrozensus 2015.

Die muslimische Bevölkerungsgruppe in Deutschland ist in den letzten Jahren auch vielfältiger geworden. Mit nur 5 % über 64 Jahren bilden Deutschlands Muslime eine junge Bevölkerungsgruppe. Ein Fünftel (21 %) sind Kinder oder Jugendliche unter 15 Jahren, weitere 22 % sind zwischen 15 und 24 Jahre alt.

Das Buch zu Islamic Finance

Man muss kein Muslim sein, um islamische Finanzprodukte und -dienstleistungen zu nutzen. Das Angebot steht allen Menschen, die an werteorientierten Sparen und Investieren interessiert sind.

Da im Islamic Finance keine Trennung zwischen dem religiösen und weltlichen Bereich besteht, lohnt es sich genauer mit der Thematik zu befassen. Das Buch „Islamic Banking Und Islamic Finance“ erklärt im Detail die Grundlagen, Instrumente und Gestaltungsmöglichkeiten von Islamic Finance.

Bilgehan Akbiyik, einer der Geschäftsführer bei INAIA, ist Mitautor des im Jahr 2017 veröffentlichten Buches, welches in deutscher Sprache im UVK Lucius Verlag erschien.

Meilenstein

1950

Die erste, experimentelle, lokale islamische Bank wurde in einem ländlichen Gebiet Pakistans gegründet.

1975

Die Islamische Entwicklungsbank wurde mit dem Auftrag gegründet, Projekte in den OIC Mitgliedsländern zu finanzieren.

1979

Die erste moderne kommerzielle islamische Bank, die Dubai Islamic Bank, und die erste islamische Versicherungsgesellschaft (oder Takaful) – die islamische Versicherungsgesellschaft des Sudan – wurden gegründet.

1986

Der weltweit erste islamische Investmentfonds, der nur in islamkonforme Aktien investiert, wurde in Indiana, US gegründet.

1990

Die Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI) wurde gegründet.

1996

Der Dow Jones Islamic Market Index (DJIMI) wurde eingeführt.

2002

Der Islamische Finanzdienstleistungsrat wurde in Kuala Lumpur von den Zentralbanken von Bahrain, Iran, Kuwait, Malaysia, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan zusammen mit der Islamischen Entwicklungsbank, der AAOIFI und dem IWF gegründet.

2005

Die Islamic International Rating Agency hat ihre Tätigkeit im Juli 2005 in Bahrain aufgenommen.

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